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Kann man seine Seele trainieren?

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Gastbeitrag von Prof. Dr. Matthias R. Lemke, Ärztlicher Direktor der Heinrich Sengelmann Kliniken, in der Zeitschrift gute besserung!

Viele Menschen erkennen im Laufe ihres Lebens, wie wichtig es ist, sich für die Herausforderungen zu wappnen, die der Alltag mit sich bringt. Hinzu kommen mitunter belastende Lebensereignisse, die vom Einzelnen zu bewältigen sind. Welche Fähigkeiten sind nötig, damit das eigene Leben und das Zusammenleben mit anderen weiterhin gut gelingt? Dass es gut ist, uns körperlich zu trainieren, ist den meisten Menschen heute bewusst. Körperliches Training hat etwas mit Entwicklung zu tun, einer tiefen menschlichen Motivation und dem Erfahren von Selbstwirksamkeit. Für die seelische Gesundheit ist ein achtsamer Umgang mit dem eigenen Körper, d. h. ausgewogene Ernährung und körperliches Training, eine wichtige Voraussetzung. Das seelische Wohlbefinden, die psychische Gesundheit, ist eng verbunden mit dem Befinden und der Gesundheit des Körpers, mit der Form der Ernährung und mit Bewegung. Aber kann man auch die Seele genauso trainieren wie einen Muskel? Ja, man kann!

Die Seele ist ein sehr sensibles Organ. Ihre drei wichtigen Grundfunktionen sind Denken, Fühlen und Handeln. Das Denken hängt zusammen mit Konzentration, Aufmerksamkeit, Neugier, der gedanklichen Auseinandersetzung mit mir und der Welt. Das Fühlen ist verbunden mit Lebenslust, Lebensfreude, dem Zusammensein mit anderen, der Hingabe an eine berufliche oder private Tätigkeit u.v.a. Für mein Handeln benötige ich ebenfalls Freude, Interesse, Motivation und dann vor allem Energie und Kraft. Ein Training heißt immer, ich bewege mich aus der Komfortzone hinaus, zumindest ein wenig, und es bedeutet Wiederholung. Jeder weiß, wie angenehm diese Komfortzonen sind, diebekannten Muster, in denen wir unsere Welt erleben und die unser Verhalten bestimmen. Daher ist es sinnvoll, sich auch für das Training der Seele einen Plan zu machen. Werden Sie Ihr Personal Trainer, und verfolgen Sie Ihren Plan nicht mit zusammengebissenen Zähnen, sondern mit unserem wichtigsten Motor, mit Lust und Freude am Leben.

Trainings-Tipps für die Seele

  1. Achten Sie auf ausgewogene Ernährung und Bewegung, trainieren Sie Ihren Körper und finden Sie die Balance zwischen Aktivität und Ruhe.
  2. Pflegen Sie die emotionalen Kontakte, und suchen Sie die richtige Balance zwischen Zusammensein und Alleinsein.
  3. Bleiben Sie neugierig und offen für Neues, fordern Sie Ihren Geist heraus, und finden Sie Balance zwischen Anforderung und Entspannung.
  4. Leben Sie das, was Freude macht, und finden Sie das, was für Sie selbst stimmig ist.
  5. Beurteilen Sie bei allen vier Punkten, wo Sie heute stehen, und entscheiden Sie für sich, wo Sie hinmöchten und mit welchen Maßnahmen.